Talentsichtung und -förderung

Wertevermittlung ist für Verbandstrainer Markus Krüger wichtig

Markus KrügerEs gibt ein paar Dinge, die ärgern ihn schon, aber in welchem Job ist schon alles nur „Friede, Freude, Eierkuchen“? Fest steht, Markus Krüger kann sich kein schöneres Betätigungsfeld vorstellen, als die Arbeit als Tennistrainer und hier vor allen Dingen die Unterrichtung von jungen Talenten. Dabei fand der 49 Jahre alte Tennislehrer – verheiratet, zwei Mädchen – eher zufällig zum Trainerjob: Als er vor rund 30 Jahren seinerzeit bei Schwarz-Weiß Köln spielte, bot sich die Chance, bei RW Leverkusen in der Herrenmannschaft in einem weniger starken Team zu spielen, doch dafür ein paar Trainerstunden zu geben – und damit konnte er mit seinem Hobby etwas Geld verdienen.

Aus dem Hobby ist inzwischen ein Beruf mit zwei Arbeitgebern geworden: Zum einen arbeitet Krüger seit 20 Jahren bei der TG Leverkusen zum anderen ist er als Verbandstrainer im Tennisbezirk Köln/Leverkusen für die Talentsichtung und -förderung zuständig. Der Weg dahin war nicht einfach, denn eine solide Ausbildung war ihm wichtig. „Ich habe alle Lizenzen erworben“, sagt er stolz „und bin sowohl VDT-Trainer als auch Diplomtrainer“. Gerade das Studium an der Trainerakademie neben Familie und Arbeit war kein Zuckerschlecken, aber dafür hat Krüger einen Qualifikationsgrad erreicht, den in Deutschland geschätzt gerade einmal 50 Tenniscoachs haben.

Das Netz, mit dem der Verbandstrainer junge Talente aus der Masse fischen und fördern soll, ist dabei grobmaschig. In der Praxis kommen die Kinder über die Tennolino-Serie in den Genuss einer Förderung, zum anderen gibt es ein- bis zweimal im Jahr Sichtungen. Wer diese Maßnahmen nicht nutzt, bleibt in der Regel unentdeckt, weil nicht alle Trainer der knapp 48 Bezirksvereine die Kooperation mit dem Verband suchen. Aus Sicht mancher Vereinstrainer ist das Bezirkstraining möglicherweise ein Konkurrenzangebot und damit gibt es ein finanzielles Risiko für den Heimtrainer, wenn Eltern sich nicht das doppelte Angebot leisten können das weniger teure – weil vom Verband subventionierte – Training der teureren Trainerstunde des Heimtrainers vorziehen. „Doch etwa ein Drittel der Vereinstrainer sieht das sportliche Interesse der Kinder im Vordergrund und arbeitet mit uns gut zusammen“, sagt Krüger. Der Vorteil eines Bezirkstrainings liegt dabei klar auf der Hand: Aufgrund der Anzahl der Talente, die am Bezirkstraining teilnehmen, trainieren die Kinder in einer homogenen Gruppe, also mit gleichaltrigen und in etwa gleichstarken „Kollegen“, während in den Vereinen bisweilen mangels Masse junge Talente wenig kindgerecht sogar mit Erwachsenen Mannschaftstraining absolvieren.

Für Eltern, deren Kind am Bezirkstraining teilnimmt, sind die Kosten überschaubar: Sie zahlen im Jahr für 40 Trainingseinheiten à 90 Minuten 500 Euro bei einmaligem Training in der Woche. Für zwei Trainingseinheiten wöchentlich sind es 850 Euro und für dreimaliges Training gar nur 1000 Euro. Maßstab für die Förderungswürdigkeit ist unter anderem die Ranglistenposition. Ab 11 Jahre ist ein Platz in der Verbandsrangliste gefordert, Kindern und Jugendliche ab 13 Jahre müssen unter den ersten 80 der deutschen Rangliste positioniert sein. Außerdem wird erwartet, dass zwölf Turniere im Jahr gespielt werden, ein weiterer Kostenfaktor für die Eltern, weil noch lange nicht alle Klubs die Turniergebühren erstatten.

30 Talente werden insgesamt am Bezirksstützpunkt in Chorweiler und in Porz von Krüger und Co-Trainer Dominik Quirl trainiert. „Dabei sehen wir uns nicht nur als Trainer in Sachen Leistungssport, sondern auch als Sportpädagogen, die die Kinder auf das Wesentliche im Sport vorbereiten: auf Fairness, Fleiß, Konzentration und Durchsetzungsvermögen. Und natürlich auf eine Vermittlung allgemeiner Werte wie Fleiß und Pünktlichkeit“, stellt der engagierte Verbandstrainer fest, während ein kleiner Steppke, der zu spät zum Training auf der Anlage in Leistungszentrum erschienen ist gemütlich zum Platz geht. Über ein paar Dinge kann sich auch der Verbandstrainer Markus Krüger trotz Freude am tollen Job ärgern.

Markus Krüger und Dominik Quirl leisten gute Nachwuchsarbeit

Gute Jugendarbeit leisten Verbandstrainer Markus Krüger (rechts) und Dominik Quirl
(Fotos: Herbert Bohlscheid)

Zusätzliche Informationen